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Infos für das Umfeld

Wenn Menschen nicht mehr leben möchten

Zu vermuten oder zu erfahren, dass ein nahestehender Mensch suizidgefährdet ist, kann sehr belastend und herausfordernd sein. Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst oder auch Wut sind dabei verständlich und erlaubt.

Dadurch, dass Sie hier auf dieser Website sind, haben Sie einen wichtigen Schritt getan, um sich näher zu informieren. Mit den folgenden Inhalten möchten wir Ihnen helfen, Unsicherheiten im Umgang mit der betroffenen Person zu verringern und Sie darin unterstützen, hilfreich und zugewandt zu handeln. Wir möchten Sie ermutigen, Suizidalität offen anzusprechen und Menschen in Krisen Unterstützung anzubieten.

Reden kann Leben retten!

Die meisten suizidalen Menschen möchten nicht sterben. Sie möchten nicht ihrem Leben, sondern ihrer belastenden Situation ein Ende setzen. Suizidales Erleben ist hochdynamisch und dementsprechend von Ambivalenz, also innerer Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit, geprägt. Aus Angst vor Ablehnung oder davor, anderen zur Last zu fallen, behalten viele Menschen mit Suizidgedanken ihre Sorgen für sich.

Wenn Sie das Thema Suizidalität direkt und offen ansprechen, können Sie diese Hürde senken und Ihrem Gegenüber ermöglichen, sich zu öffnen. Ein Gespräch über Suizidgedanken kann ein erster wichtiger Schritt hin zu Unterstützung und Hilfe sein.

Es kann sehr belastend und herausfordernd sein, zu vermuten oder zu erfahren, dass ein nahestehender Mensch suizidgefährdet ist. Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst oder auch Wut sind völlig normal und auch erlaubt. Die Hinweise auf dieser Seite sollen Ihnen helfen, Unsicherheiten im Umgang mit der betroffenen Person zu verringern und Sie darin unterstützen, hilfreich und zugewandt zu handeln und gleichzeitig gut für sich selbst zu sorgen.

Bei akuter Gefährdung wählen Sie bitte den Notruf 112 oder 110. Die Einsatzkräfte beurteilen die Situation vor Ort. Maßnahmen wie eine Zwangseinweisung kommen nur als letztes Mittel infrage, wenn eine akute Fremd- oder Selbstgefährdung besteht.

Eine ausführliche Übersicht über alle Hilfsangebote in Frankfurt a. M. mit Kontaktadressen und Telefonnummern finden Sie unter:  Hilfe finden

Ein Gespräch über Suizidalität

Viele Menschen haben Sorge, das Thema Suizidalität anzusprechen, weil sie befürchten, dadurch erst Gedanken an Suizid auszulösen. Diese Sorge ist verständlich, entspricht jedoch nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ein offenes und einfühlsames Nachfragen kann vielmehr entlastend wirken und Betroffenen das Gefühl geben, mit ihren Gedanken nicht allein zu sein.

Ein Gespräch über Suizidalität kann emotional herausfordernd sein. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich selbst stabil genug fühlen, auch Belastendes anzuhören. Wenn Sie sich zwar Sorgen um eine Person machen, aber merken, dass ein solches Gespräch Sie aktuell überfordern würde, ist das in Ordnung. Holen Sie sich Unterstützung oder bitten Sie eine andere vertraute Person, das Gespräch zu übernehmen.

Für das Gespräch selbst kann es hilfreich sein, ausreichend Zeit einzuplanen und einen ruhigen, ungestörten Ort zu wählen. Eine angenehme Atmosphäre erleichtert es oft, über schwierige Gedanken und Gefühle zu sprechen. Dabei müssen Sie nicht perfekt vorbereitet sein. Wichtiger als die richtigen Worte ist eine aufrichtige und wertschätzende Haltung. Offene Fragen laden dazu ein, die eigene Situation zu schildern und zeigen Interesse am Erleben der betroffenen Person.

In solchen Gesprächen müssen nicht sofort Lösungen gefunden werden. Oft ist es bereits eine große Unterstützung, zuzuhören und da zu sein. Ein Gespräch kann entlasten und Hoffnung vermitteln, auch wenn dadurch nicht unmittelbar alle Probleme gelöst werden. Setzen Sie sich daher nicht unter Druck, Antworten auf alles haben oder die Situation allein bewältigen zu müssen.

Auch Schweigen hat in schwierigen Gesprächen seinen Platz. Pausen auszuhalten und der anderen Person Zeit zum Nachdenken oder Formulieren zu geben, kann sehr hilfreich sein. Nicht jedes Schweigen muss gefüllt werden.

Manchmal wird ein Gesprächsangebot zunächst nicht angenommen. Auch das ist in Ordnung. Nehmen Sie eine ablehnende Reaktion nicht persönlich. Möglicherweise ist die Person noch nicht bereit, über ihre Gedanken zu sprechen oder sie hat Angst vor negativen Reaktionen. Zeigen Sie weiterhin Interesse und signalisieren Sie, dass Ihr Gesprächsangebot bestehen bleibt. Oft kann ein erneuter Versuch zu einem späteren Zeitpunkt hilfreich sein.

Was kann ich tun?

Wie starte ich ein Gespräch?

Es ist wichtiger zu vermitteln, dass Sie da sind, als die „perfekten“ Worte zu finden.

Machen Sie deutlich, dass und warum Sie sich Sorgen machen. Sagen Sie zum Beispiel:

  • Ich habe den Eindruck, dass es dir aktuell nicht gut geht. Ist da was dran?“
  • Ich mache mir Sorgen, weil ich bemerkt habe, dass…“

Geben Sie der Person Raum, über ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen zu sprechen. Signalisieren Sie, dass es in Ordnung ist, auch schwere und schmerzhafte Dinge anzusprechen.

  • Einfach da sein und zuhören kann viel bewirken. Das kann bedeuten, sich bewusst vorzunehmen, die Gefühle der betroffenen Person nachzuvollziehen und durch offene Fragen besser zu verstehen, was sie bewegt.
  • Es ist völlig in Ordnung, wenn Ihnen zunächst die Worte fehlen und Sie nicht wissen, was Sie sagen sollen. Sie können das ehrlich benennen.
    Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll/kann – aber ich wäre gerne für dich da.“

Nehmen Sie sich Zeit, hören Sie aufmerksam zu und versuchen Sie zu verstehen, ohne zu urteilen.

Sie können Ihr Verständnis und Mitgefühl sowie Ihre Fürsorge zum Beispiel mit folgenden Formulierungen ausdrücken:

  • Das stelle ich mir sehr schwer für dich vor. Danke, dass du mir davon erzählst.“
  • Es tut mir so leid, dass du das erleben musst. Ich möchte gerne für dich da sein.“
  • Du musst nicht immer stark sein. Alle deine Gefühle sind okay. Willst du mir mehr darüber erzählen?“

Wie schätze ich die Situation ein?

Wenn Sie bemerken oder vermuten, dass jemand darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen: Fragen Sie nach Suizidgedanken und vergewissern Sie sich! Nutzen Sie klare und deutliche Formulierungen. Sagen Sie zum Beispiel:

  • Du hast in letzter Zeit Dinge gesagt/getan, die mir Sorgen machen – zum Beispiel… . Ich habe Angst, dass du darüber nachdenkst, dir das Leben zu nehmen.“
  • Sind deine Sorgen manchmal so groß, dass du darüber nachdenkst, nicht mehr weiterleben zu wollen?“
  • Kann es sein, dass du denkst, es ist besser für dich, nicht mehr zu leben?“
  • Hast du Suizidgedanken?“

Wenn die Person Suizidgedanken bejaht, können Sie weiterfragen, um herauszufinden, wie akut die Situation ist. Sagen Sie zum Beispiel:

  • Was genau geht dir dabei durch den Kopf?“
  • Wie lange hast du schon solche Gedanken? Kommen sie sehr oft? Wie stark sind sie im Moment?“
  • Hast du sonst noch jemandem von deinen Suizidgedanken erzählt?“
  • Hast du in der Vergangenheit schon einmal versucht, dir das Leben zu nehmen?“
  • Wie konkret sind deine Gedanken? Hast du einen konkreten Plan? Hast du schon Dinge vorbereitet oder einen Zeitpunkt dafür festgelegt?“

Was nun?

Bitten Sie die betroffene Person, sich Zeit zu geben, um neue Perspektiven zu finden.

  • Bieten Sie dabei (im Rahmen Ihrer Möglichkeiten) Ihre Hilfe an:
    • Wie kann ich dich im Moment am besten unterstützen?“
    • Ich gehe diesen Weg mit dir, so gut ich kann.“
  • Unterstützen Sie den Aufbau eines Netzwerkes aus Vertrauenspersonen:
    • Wen gibt es noch, der:die aktuell beistehen könnte? Gab es in der Vergangenheit jemanden, der:die in Krisen hilfreich war?“
  • Ermutigen Sie die Person, sich schnellstmöglich professionelle Hilfe zu suchen. Viele Menschen empfinden Scham, wenn es darum geht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bestärken Sie Ihr Gegenüber darin, dass es ein richtiger und wichtiger Schritt ist.
    • Sie können anbieten gemeinsam Hilfsangebote zu recherchieren, Kontakte herzustellen oder die Person zu Terminen zu begleiten.
  • Besprechen Sie, was die Person tun kann, wenn sich die Situation zuspitzt:
    • Notieren Sie gemeinsam Kontaktnummern, die im Notfall angerufen werden können.
    • Diese Liste kann Nummern aus dem persönlichen Umfeld wie auch professionelle Hilfsangebote beinhalten (siehe „Hilfe finden“).
  • Sollte die Person bereits konkrete Suizidpläne haben, stellen Sie sicher, dass sie keinen Zugang zum gewählten Suizidmittel hat. Nehmen Sie dieses, wenn möglich, an sich (zum Beispiel Tabletten).

Begegnen Sie der suizidgefährdeten Person grundsätzlich respektvoll und entscheiden Sie gemeinsam, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Wenn Sie jedoch merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen und die Situation Ihnen zu heikel wird, zögern Sie nicht, zusätzliche Hilfe hinzuzuziehen.

  • Gehen Sie offen damit um, dass Sie sich zu großen Sorgen machen und deswegen mit der Situation nicht allein bleiben möchten. Teilen Sie mit, wen Sie zusätzlich kontaktieren möchten (beziehen Sie, wenn möglich, hierbei die betroffene Person noch mit ein).

Wenn keine gemeinsame Entscheidung (mehr) möglich ist, dürfen Sie bei akuter Selbstgefährdung auch gegen den Willen der Person Hilfe holen.

Was sollte ich vermeiden?

  • Versuchen Sie, nicht panisch zu reagieren und dem Gespräch einen ruhigen Rahmen zu geben. Dies kann Ihrem Gegenüber Sicherheit vermitteln und dazu beitragen, sich angenommen zu fühlen und öffnen zu können.
  • Verharmlosen Sie die Probleme Ihres Gegenübers nicht. Versuchen Sie nicht, die geäußerten Gefühle oder Gedanken zu relativieren oder zu beschönigen. Wenn eine Person Suizidgedanken äußert, erlebt sie ihre Situation als sehr belastend. Vermeiden Sie oberflächliche Ratschläge oder vorschnelle Lösungsvorschläge. Verzichten Sie auf eigene Geschichten oder den Vergleich mit anderen.
  • Machen Sie der betroffenen Person keine Vorwürfe oder moralischen Vorhaltungen und üben Sie keinen Druck aus. Auch Provokationen oder Drohungen sind nicht hilfreich.
  • Streiten und debattieren Sie nicht mit der Person über die Suizidgedanken. Diskutieren Sie auch nicht darüber, ob Suizide richtig oder falsch sind.
  • Versprechen Sie nichts, was Sie nicht wirklich halten können. Kommunizieren Sie auch ehrlich Ihre eigenen Grenzen. Zum Beispiel kann und muss niemand „immer“ für eine andere Person da sein.
  • Stimmen Sie niemals zu, Suizidabsichten geheim zu halten. Erklären Sie, warum Sie ein solches Versprechen nicht geben können.
  • Sagen Sie zum Beispiel:
    „Du bist mir sehr wichtig, und deshalb kann ich etwas, das dich in Gefahr bringt, nicht für mich behalten. Ich möchte gemeinsam mit dir nach Unterstützung suchen und dir helfen, neue Perspektiven zu finden.“
  • Unterschätzen Sie Suizidankündigungen nicht. Gehen Sie nicht davon aus, dass Menschen, die über Suizid sprechen, „es nicht ernst meinen“ oder nicht handeln würden.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass sich die betroffene Person in den nächsten Minuten oder Stunden etwas antun könnte, lassen Sie sie nicht allein. Begleiten Sie die Person in eine psychiatrische Klinik oder rufen Sie den Rettungsdienst (112).

Die Einsatzkräfte beurteilen die Situation vor Ort. Maßnahmen wie eine Zwangseinweisung kommen nur als letztes Mittel infrage, wenn eine akute Fremd- oder Selbstgefährdung besteht.

Was ist noch wichtig?

Es ist wichtig zu wissen, dass Sie Unterstützung anbieten können, aber nicht die Verantwortung für die Gedanken, Entscheidungen oder Handlungen eines anderen Menschen tragen. Letztlich bleibt die Verantwortung für das eigene Leben bei der betroffenen Person selbst. Suizidales Erleben kann sich schnell verändern und auch der Entschluss zum Suizid kann kurzfristig entstehen. Was Sie in einem Gespräch wahrnehmen, anbieten oder erfahren, bezieht sich daher immer auf den jeweiligen Moment.

Wenn Sie in einer akuten Situation Hilfe holen – auch dann, wenn die betroffene Person das in dem Moment nicht möchte – kann es sein, dass sie Ihnen diesen Schritt zunächst übelnimmt oder verärgert reagiert. Das kann belastend sein. Gleichzeitig handeln Sie aus Sorge und Verantwortung heraus. Viele Menschen, die eine akute suizidale Krise überlebt haben, sind später dankbar für die Unterstützung und froh, noch am Leben zu sein.

In solchen Momenten kann es hilfreich sein, sich bewusst zu fragen, was schwerer wiegt: eine möglicherweise vorübergehende Belastung der Beziehung oder das Risiko, einen Menschen zu verlieren. Im Zweifel kann Ihr Handeln entscheidend gewesen sein – und Sie müssen sich nicht vorwerfen, nicht genug getan zu haben.

Einen Menschen zu begleiten, der nicht mehr leben möchte, ist emotional sehr belastend. Achten Sie deshalb auf Ihre eigenen Grenzen und sorgen Sie auch gut für sich!

Zögern Sie nicht, auch selbst professionelle Beratungs- oder Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen. Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung.

Wenn der Suizid zum Druckmittel wird

Manchmal werden Suiziddrohungen in Beziehungen oder nach einer Trennung wiederholt geäußert, um den anderen unter Druck zu setzen oder eigene Forderungen durchzusetzen. In solchen Situationen gilt: Nehmen Sie die Drohung ernst, hören Sie gut zu und schildern Sie, was das Gesagte in Ihnen auslöst. Machen Sie klar, dass Sie die Not der Person wahrnehmen, aber Sie auch nicht die Verantwortung für das Leben dieser Person übernehmen. Bitten Sie darum, dass sie sich professionelle Hilfe holt.

Weitere Hinweise sowie Formulierungsvorschläge finden Sie auf der folgenden Seite:

Weitere Hinweise

Alles Wichtige in einer Broschüre

Alle Informationen dieser Seite sowie weiteres Wissenswertes zum Thema Suizidalität finden Sie auch zusammengestellt in der Broschüre „Wenn Menschen nicht mehr leben möchten. Informationen für das Umfeld zum Umgang mit Suizidalität“.

Online-Programm für Angehörige von Männern in suizidalen Krisen

„Hilfe für Angehörige“ ist ein kostenloses Online-Programm für Angehörige, die sich Sorgen um eine nahestehende männliche Person machen. Das Programm soll Angehörige unterstützen, über suizidales Erleben und Verhalten informieren und Hilfsangebote aufzeigen. Mit Hilfe von Videos mit Expert:innen und Betroffenen, Hörspielen und Informationsmaterial können Teilnehmer:innen das Programm selbstständig und in ihrem eigenen Tempo bearbeiten. Das Programm wird von einer wissenschaftlichen Studie begleitet und auf seine Wirksamkeit überprüft.

Hilfe finden

Schnelle Hilfe in akuten Krisen

Brauchen Sie schnell jemanden, der Ihnen am Telefon zuhört oder den Kontakt zu einer Klinik? Bei der Telefonseelsorge, dem Frankfurter Krisendienst oder in einer der zuständigen psychiatrischen Kliniken erhalten Sie Unterstützung.

Hilfsangebote finden

Es gibt eine Vielzahl an Angeboten, bei denen Sie Unterstützung finden können. Auch solche, die auf bestimmte Zielgruppen spezialisiert sind, wie zum Beispiel Beratung für junge Menschen, ältere Menschen oder Männer.

Downloads

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