Auf dieser Seite finden Sie umfassende Informationen zum Thema Suizidalität. Viele Mythen halten sich in der Gesellschaft hartnäckig. Wir klären darüber auf, was tatsächlich dahintersteckt und was wichtig zu wissen ist: wie Suizidalität entstehen kann, welche Risikofaktoren und Warnsignale es gibt und welche Behandlungsmöglichkeiten Betroffenen offenstehen.
Über Suizidalität
Allgemeine Infos
Mythen über Suizidalität
Mythos 1: Über Suizid zu sprechen, könnte Betroffene erst auf die Idee bringen.
Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass das Ansprechen des Themas Suizid Menschen auf solche Gedanken bringen könnte und demzufolge gefährlich sei. Wer bisher keine Suizidgedanken hatte, entwickelt sie nicht durch die Frage danach. Tatsächlich empfinden viele, die mit Suizidgedanken kämpfen, Erleichterung, wenn sie offen darüber sprechen können. Das Gespräch kann entlasten, weil sich endlich eine Person traut, das Thema anzusprechen und zuzuhören. Dies kann sogar der erste Schritt in Richtung (professionelle) Hilfe sein.
Mythos 2: Wer einen Suizid androht, will nur Aufmerksamkeit.
Diese Aussage ist gefährlich und falsch. Wer suizidale Gedanken äußert, macht darauf aufmerksam, in größter seelischer Not zu sein und Hilfe zu brauchen. Daher müssen Andeutungen bzw. suizidale Handlungen, die nicht tödlich enden, immer ernst genommen werden. Die Annahme, dass solche Andeutungen bzw. Handlungen nur ein Versuch seien, Aufmerksamkeit zu erlangen, wird dem Ernst der Lage nicht gerecht.
Mythos 3: Nur psychisch kranke Menschen nehmen sich das Leben.
Obwohl psychische Erkrankungen einen erheblichen Risikofaktor darstellen, können auch Menschen ohne diagnostizierte psychische Störungen Suizidgedanken entwickeln. Häufig entstehen diese Gedanken als Reaktion auf Lebenskrisen wie den Verlust eines geliebten Menschen, eine traumatische Erfahrung, Einsamkeit oder Überforderung im sozialen oder beruflichen Umfeld. Auch chronischer emotionaler Stress oder schwere körperliche Erkrankungen können dazu führen, dass Menschen Suizid als einzigen Ausweg sehen.
Mythos 4: Wer über Suizid spricht, tut es nicht.
Diese Vorstellung entspricht nicht der Realität. Direkte oder indirekte Ankündigungen von Selbsttötung kommen in den meisten Fällen im Vorfeld von suizidalen Handlungen vor und sind ein Hilferuf. Deswegen gilt: hinhören – nachfragen – Unterstützung suchen! Alle Andeutungen und Äußerungen von Suizidgedanken sollten immer ernstgenommen werden.
Mythos 5: Menschen, die Suizid begehen wollen, haben dies frei entschieden und sind nicht mehr davon abzubringen.
Suizidabsichten entstehen oftmals nicht aus einer „freien Entscheidung“ heraus. Die Wahrnehmung eines Menschen, der in eine (psychische) Krise geraten ist, ist verändert und eingeengt. Und dadurch auch die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. Die meisten wollen nicht ihrem Leben, sondern ihren Problemen ein Ende setzen. Unterstützung und gezielte Intervention können einen entscheidenden Einfluss auf Menschen mit Suizidgedanken haben. Diese können helfen, in scheinbar ausweglosen Situationen Handlungsalternativen zu entwickeln, die in einer Krise oft nicht sichtbar sind.
Fakten über Suizidalität
Fakt 1
Suizid ist häufig ein Tabuthema in der Gesellschaft. Daher fällt es vielen Betroffenen und Angehörigen besonders schwer, über Suizidalität zu sprechen.
Fakt 2
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit jedes Jahr etwa 700.000 Menschen durch Suizid sterben das entspricht etwa einem Todesfall alle 40 Sekunden.
Fakt 3
Das sind mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, Gewalt, Drogen und AIDS zusammen sterben. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer, denn nicht jeder Suizid wird auch als solcher erkannt oder registriert.
Fakt 4
Jeder Suizid betrifft im Schnitt 135 Personen. Neben nahen Angehörigen können auch Freund:innen, Kolleg:innen sowie Menschen aus Schule, Universität oder Nachbarschaft mitunter stark belastet sein und Unterstützung benötigen.
Fakt 5
Suizid ist bei 10- bis unter 25-Jährigen in Deutschland die häufigste Todesursache.
Fakt 6
Suizidalität ist ein komplexes und multikausales Phänomen. Sie lässt sich nicht ausschließlich auf psychische Erkrankungen zurückführen, sondern kann aus dem Zusammenspiel verschiedener Belastungsfaktoren entstehen, etwa Beziehungsprobleme, schwere körperliche Erkrankungen, berufliche Krisen sowie finanzielle oder rechtliche Herausforderungen.
Fakt 7
Mindestens die Hälfte aller Menschen beschäftigt sich im Lauf des Lebens gedanklich mit Suizid.
Fakt 19
Suizidalität kommt in allen Bevölkerungsgruppen vor. Unterschiedliche Risiko- und Schutzfaktoren beeinflussen jedoch, wie hoch das individuelle Risiko ist. Das Wissen um diese Faktoren hilft, Suizidalität zu verstehen und Entlastung statt Stigmatisierung zu schaffen.
Fakt 9
Die meisten Menschen, die einen Suizidversuch unternommen haben, versterben jedoch im weiteren Verlauf nicht an einem Suizid, sondern finden einen Weg zurück ins Leben.
Fakt 10
Oft wird noch der Begriff „Selbstmord“ verwendet. Hier schwingt die Bedeutung einer Straftat (Mord) mit. Jedoch sind Suizide keine kriminellen Akte: Menschen, die sich suizidieren, handeln meist aus einer schweren Krise, in der sie keinen anderen Ausweg sehen.
Fakt 11
In Deutschland nehmen sich jährlich rund 10.000 Menschen das Leben – das entspricht einem Suizid etwa alle 56 Minuten.
Fakt 12
In Frankfurt wie auch deutschlandweit nehmen sich deutlich mehr Männer (ca. 70%) das Leben als Frauen (ca. 30%).
Fakt 13
In Frankfurt a. M. kommt es ungefähr alle 4 Tage zu einem Suizid, also etwa 90 Suizide pro Jahr.
Fakt 14
Das Suizidrisiko steigt mit dem Alter: Menschen über 70 Jahren sind besonders gefährdet, sich das Leben zu nehmen.
Fakt 15
In vielen Fällen stehen Suizide in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen – vor allem Depressionen, aber auch Suchterkrankungen oder Psychosen. Frühzeitige Unterstützung durch psychotherapeutische, psychiatrische oder psychosoziale Angebote kann Leben retten. Viele Menschen mit einer psychischen Erkrankung zeigen jedoch kein suizidales Verhalten.
Fakt 16
Die Zahl der Suizidversuche ist um ein Vielfaches höher (geschätzt etwa 100.000 bis 200.000 pro Jahr).
Fakt 17
10% der Deutschen haben sich bereits ernsthaft mit Suizidabsichten auseinandergesetzt.
Fakt 18
Jeder Suizidversuch ist ein ernst zu nehmender Hilferuf. Oft gehen suizidalen Handlungen direkte oder indirekte Ankündigungen voraus. Deshalb gilt: Jede Äußerung oder Andeutung von Suizidgedanken ist unbedingt ernst zu nehmen.
Fakt 8
Der bedeutsamste Risikofaktor, durch einen Suizid zu versterben, ist ein vorangegangener Suizidversuch.
Detaillierte Suizidstatistiken finden Sie auf der Seite des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro): Suizidstatistiken: NaSPro (externer Link)
Wie entsteht Suizidalität?
Unter dem Begriff „Suizidalität“ werden alle Gefühle, Gedanken, Impulse und Handlungen zusammengefasst, die selbstzerstörerischen Charakter haben und das eigene Versterben aktiv oder durch Unterlassung anstreben bzw. direkt oder indirekt in Kauf nehmen.

Wir Menschen neigen dazu, schnelle und einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge finden zu wollen. Das spiegelt sich auch darin wider, wie in der Öffentlichkeit über Suizide und Suizidversuche gesprochen wird (z.B. „Er hat sich umgebracht, weil er die Arbeitsstelle verloren hat“ oder „Sie hat versucht, sich umzubringen, weil sie einen Konflikt mit ihrem Partner hatte“). Tatsächlich bildet diese eindimensionale Darstellung jedoch in den seltensten Fällen die komplexe Wirklichkeit ab.
Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Modelle, die versuchen, die Entstehung von Suizidalität anhand von wissenschaftlich nachgewiesenen Risiko- und Schutzfaktoren zu erklären. Am wahrscheinlichsten ist, dass es durch das Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Ursachen (häufig getriggert durch eine Auslösesituation) zu einem emotionalen Ausnahmezustand kommt, in dem Menschen versuchen, sich das Leben zu nehmen.
In vielen Fällen leiden die Betroffenen unter einer psychischen Erkrankung, die behandlungsbedürftig und gut behandelbar ist. Auch Faktoren wie Impulsivität, lebensgeschichtliche Aspekte, die soziale Situation und der Zugang zu Suizidmitteln spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Suizidalität, die nach unserem heutigen Verständnis keine eigenständige Erkrankung ist.
Wichtig ist zu wissen, dass suizidale Krisen sich in unterschiedlichem Tempo entwickeln können. In den meisten Fällen werden Phasen von eher passiver Lebensmüdigkeit bis hin zu konkreten Handlungsplanungen durchlaufen. Allerdings geht man davon aus, dass bei etwa 25 Prozent der Suizidhandlungen zwischen Entscheidung und Umsetzung weniger als fünf Minuten liegen.
Einflussfaktoren auf Suizidalität

Manche Menschen erleben Krisen, schwierige Lebensphasen oder psychische Belastungen ohne suizidal zu sein. Bei anderen Menschen können diese jedoch zu Suizidalität führen. Leider gibt es keine Möglichkeit, sicher vorherzusagen, wann und welcher dieser Menschen sich das Leben nehmen wird. Risikofaktoren und Warnsignale können dabei helfen, die Situation besser einzuschätzen.
Risikofaktoren sind Umstände oder Belastungen, die die Wahrscheinlichkeit für eine suizidale Krise erhöhen können. Dazu gehören beispielsweise frühere Suizidversuche sowie psychische oder körperliche Erkrankungen. Warnsignale sind dagegen Veränderungen im Erleben, Verhalten oder in Äußerungen einer Person, die auf eine aktuelle Krise hinweisen können.
Zum Vergleich: Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes gelten als Risikofaktoren für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sie erhöhen das Risiko, bedeuten aber nicht, dass ein solcher Notfall unmittelbar bevorsteht. Plötzlich auftretende Brustschmerzen, Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen sind dagegen Warnsignale, die auf eine akute Situation hinweisen können und rasches Handeln erforderlich machen.
Das Vorliegen von einzelnen Risikofaktoren oder Warnsignalen bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Person suizidal ist. Treten jedoch mehrere Anzeichen gleichzeitig auf oder verstärken sie sich, ist es besonders wichtig, die betroffene Person behutsam darauf anzusprechen und gegebenenfalls professionelle Unterstützung hinzuzuziehen.
Dem gegenüber können Schutzfaktoren helfen, Krisen besser zu überstehen. Schutzfaktoren sind persönliche Ressourcen, die das Risiko für eine suizidale Krise verringern und stabilisierend wirken können. Dazu zählen insbesondere tragfähige soziale Beziehungen, aber auch das Gefühl, gebraucht zu werden – etwa durch Kinder, Haustiere oder Verantwortung im Alltag. Ebenso wichtig ist es, eine Zukunftsperspektive zu haben. Auch persönliche Werte, religiöse oder spirituelle Überzeugungen sowie positive Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Bewältigungsstrategien im Umgang mit Belastungen können hilfreich sein. Nicht zuletzt sind professionelle Unterstützung und der Zugang zu Hilfsangeboten wichtige Schutzfaktoren.
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren können das Risiko für suizidales Verhalten erhöhen. Dazu gehören unter anderem:
- Frühere Suizidversuche
- Psychische Erkrankungen (insbesondere bipolare Störungen, Depressionen, Suchterkrankungen und Schizophrenie)
- Belastende Lebensereignisse (zum Beispiel ein Todesfall im nahen Umfeld, ein Arbeitsplatzverlust, finanzielle Krisen oder eine Trennung)
- Körperliche Erkrankungen
- Chronische Schmerzen
- Suizide in der Familiengeschichte
- Gefühl der Isolation/fehlende soziale Unterstützung
- Männliches Geschlecht
- Höheres Lebensalter
Warnsignale
Warnsignale können Hinweise auf eine akute Gefährdung sein und sollten immer ernst genommen werden:
Suizidplanung
- Beschäftigung mit Suizidmethoden
- konkrete Pläne zur Umsetzung
- Vorbereiten suizidaler Handlungen
Offene oder indirekte Ankündigung von Suizidgedanken, zum Beispiel:
- „Am liebsten wäre ich tot“
- „So kann ich nicht mehr leben“
- „Ich möchte, dass das alles aufhört“
Plötzliche Stimmungsaufhellung
- Die Suizidalität scheint auf einmal verschwunden zu sein.
- Die Person kann ruhig, gelöst oder entspannt wirken.
Nach einer schweren Krise kann es zu einer plötzlichen und auffälligen Stimmungsaufhellung kommen. Dabei kann es sich entweder um eine Verbesserung der psychischen Verfassung handeln oder um ein wichtiges Warnsignal (die sogenannte „Ruhe vor dem Sturm“). Denn hat ein Mensch einmal den Entschluss gefasst, sich das Leben zu nehmen, kann die Person nach außen hin entlastet, ruhig oder sogar gelöst wirken.
Abschied nehmen
- Regelung letzter Dinge
- Verschenken von persönlichen oder wertvollen Gegenständen
- Schreiben von Abschiedsbriefen
- Auch ungewöhnliche Verabschiedungen (zum Beispiel: „Ich wünsche dir ein gutes Leben“) können ein Warnsignal sein.
Die Regelung persönlicher Angelegenheiten, das Verfassen eines Testaments oder das Ordnen wichtiger Unterlagen sind grundsätzlich sinnvolle Vorsorgemaßnahmen, die viele Menschen unabhängig von einer Krise treffen. Auch das Verschenken von persönlichen oder wertvollen Gegenständen kann unterschiedliche Gründe haben und ist für sich genommen kein Hinweis auf Suizidalität.
Selbstverletzendes Verhalten
- Die bewusste und direkte Schädigung des eigenen Körpers ohne die Absicht zu sterben
Menschen, die sich selbst verletzen, müssen nicht zwangsläufig suizidgefährdet sein. Nicht suizidales selbstverletzendes Verhalten (NSSV) dient oft dem Abbau psychischer Spannungszustände und der Regulation von extremen Emotionen. Allerdings kann NSSV auch ein wesentlicher Risikofaktor für Suizidalität sein und birgt die Gefahr von ungewollten schweren Verletzungen.
Veränderungen im Erleben und Verhalten
- Starke Beschäftigung mit Tod und Sterben, zum Beispiel durch vermehrtes Interesse an entsprechenden Büchern, Filmen, Musik oder Internetinhalten
- Ausgeprägte Hoffnungslosigkeit, Sinnkrisen oder starke Selbstabwertung
- Rückzug aus sozialen Kontakten oder der Abbruch bisher wichtiger Aktivitäten
Behandlungsmöglichkeiten
Psychiatrische Behandlung
Die ambulante psychiatrische Behandlung kann entweder durch eine:n niedergelassene:n Psychiater:in oder in einer psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) erfolgen. Hauptaufgabe ist die Diagnose und Behandlung der psychischen Erkrankung einschließlich der Verordnung von Medikamenten und anderen Heilmitteln. Erforderliche körperliche und apparative Untersuchungen (wie z.B. EKG, EEG, radiologische und Laboruntersuchungen) werden entweder selbst durchgeführt oder koordiniert.
Psychotherapie
(Ambulante) Psychotherapie ist eine Regelleistung der Krankenkassen. In der Patientenbroschüre „Wege zur Psychotherapie“ (www.wege-zur-psychotherapie.org externer Link) der Bundespsychotherapeutenkammer oder auf der Webseite der Psychotherapeutenkammer Hessen gibt es ausführliche Informationen über Psychotherapie. Zur psychotherapeutischen Behandlung der Depression ist zum Beispiel Verhaltenstherapie geeignet. Eine Liste niedergelassener Psychotherapeut:innen erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse, im Internet mit Hilfe der Webseiten www.therapie.de (externer Link) oder www.arztsuchehessen.de (externer Link) oder mit der kostenlosen App „Arztsuche“.
Psychosoziale Unterstützung
Psychosoziale Unterstützungsangebote (wie zum Beispiel betreutes Wohnen, Haushaltshilfe oder Schuldner:innenberatung) sollen bewirken, dass Betroffene sich in ihrem Leben und ihrer Umwelt wieder eigenständiger, sicherer und zielgerichteter bewegen und dadurch mehr Lebensqualität erlangen. Wichtige Ansprechpartner:innen und Vermittler:innen psychosozialer Unterstützungsangebote sind der sozialpsychiatrische Dienst und die psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen. Telefonnummern, offene Sprechstunden und weitere Informationen finden Sie unter Hile finden.
Selbsthilfe
In einer Selbsthilfegruppe können Sie Menschen treffen, die sich in einer vergleichbaren Situation oder Problemlage befinden, Informationen und Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig ermutigen und Ihre Stärken erkennen, Neues voneinander und miteinander lernen sowie gemeinsam etwas bewegen. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zur Selbsthilfe in Frankfurt. Alle wichtigen Informationen finden Sie auf der Webseite www.selbsthilfe-frankfurt.net (externer Link).
AGUS Angehörige um Suizid e.V.
Die AGUS Selbsthilfegruppen ermöglichen Gespräche unter Trauernden, die einen nahestehenden Menschen durch Suizid verloren haben, in einem geschützten Rahmen und geleitet von geschulten und erfahrenen Betroffenen.
Assistierter Suizid
Der assistierte Suizid bezeichnet eine Suizidhandlung, bei der eine Person, die freiwillig und dauerhaft ihr Leben beenden möchte, dabei Hilfe durch Dritte erhält. Die Tatherrschaft liegt dabei bei der Person selbst, sie muss die tödliche Handlung eigenständig vornehmen.
Mit Urteil vom 26. Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht das Recht bestätigt, sich selbst zu töten und dabei Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen. Voraussetzung ist die Freiverantwortlichkeit der Entscheidung, die Einsichts- und Urteilsfähigkeit, Freiheit von Zwang oder Druck sowie die Dauerhaftigkeit und Wohlerwogenheit des Sterbewunsches sowie die Tatherrschaft (vgl. Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts: Bundesverfassungsgericht – Entscheidung finden – Urteil vom 26. Februar 2020, externer Link). Damit grenzt sich die Suizidassistenz von der aktiven Sterbehilfe ab, die in Deutschland illegal und damit strafbar ist. Ein umfassendes Bundesgesetz zur Regelung des assistierten Suizids besteht derzeit nicht; entsprechende Gesetzesvorhaben sind bislang gescheitert. Diskutiert wird, wie Grundrechte wie der Schutz des Lebens und die Achtung der Selbstbestimmung in ein angemessenes Verhältnis gebracht werden können.
Die Suizidassistenz ist von anderen Formen der Sterbehilfe abzugrenzen. Als passive Sterbehilfe gilt das Unterlassen oder Beenden lebensverlängernder Maßnahmen. Indirekte Sterbehilfe bezeichnet die Inkaufnahme eines möglichen früheren Todeseintritts durch palliativmedizinische Maßnahmen zur Linderung schwerer Symptome, etwa Schmerzen oder Luftnot.
Der Wunsch nach Suizidassistenz entsteht häufig vor dem Hintergrund komplexer Belastungen und kann von körperlichen, psychischen, sozialen und existenziellen Faktoren beeinflusst sein. Auch für Angehörige und das Umfeld kann dies mit erheblichen emotionalen Belastungen und Konflikten verbunden sein. Gefühle wie (antizipatorische) Trauer, Verunsicherung, Schuld, Hilflosigkeit oder Überforderungen können hier auftreten.
Fachpersonal steht vor der Aufgabe, rechtliche, ethische und individuelle Aspekte zu berücksichtigen und Betroffene respektvoll zu begleiten. Zentral ist ein ergebnisoffenes und zugewandtes Gespräch. Im professionellen Kontext umfasst dies insbesondere:
- Prüfung der Entscheidungsfähigkeit
- Klärung der Lebenssituation und möglicher Ursachen
- Ausschluss behandelbarer Faktoren
- Interdisziplinäre Abstimmung, ggf. Einbezug von Palliativversorgung, Schmerztherapie und psychosozialer Unterstützung
- Einbindung und Unterstützung von An- und Zugehörigen
Besteht der Wunsch nach umfassender Abklärung und Information über Alternativen fort, kann eine Suizidassistenz in Betracht kommen. Niemand kann zur Suizidhilfe verpflichtet werden. Sie kann ärztlich oder nicht ärztlich begleitet sein und erfolgt teils im privaten Rahmen, teils über Sterbehilfeorganisationen. Diese bieten in der Regel strukturierte Verfahren mit Beratungen und Begutachtungen an und vermitteln beteiligte Fachpersonen; häufig sind damit Kosten (in Höhe von ca. 4.000 bis 8.000 Euro) und weitere Voraussetzungen, etwa Mitgliedschaften, verbunden.
Der rechtliche und politische Umgang mit assistiertem Suizid ist in Deutschland weiterhin Gegenstand von Diskussionen. In Politik, Fachverbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen bestehen unterschiedliche Auffassungen darüber, ob und wie eine weitergehende gesetzliche Regulierung ausgestaltet werden sollte.
Ein zentrales Thema ist die begrenzte Datenlage. Aus der amtlichen Todesursachenstatistik geht nicht eindeutig hervor, wie viele assistierte Suizide stattfinden. Verfügbare Erkenntnisse beruhen überwiegend auf Angaben einzelner Organisationen oder Studien und sind daher nur eingeschränkt vergleichbar und zuverlässig. Die bisherigen Daten aus anderen Ländern deuten darauf hin, dass assistierte Suizide nicht an die Stelle anderer Suizidformen treten, sondern zusätzlich auftreten. Zudem zeigen sich Unterschiede in den betroffenen Personengruppen, etwa ein höherer Anteil von Frauen und von Personen mit körperlichen Erkrankungen.
Auch die Zugänglichkeit von Suizidassistenz wird diskutiert. Angebote, insbesondere durch Sterbehilfeorganisationen, sind häufig mit höheren Kosten verbunden. Daraus ergibt sich die Frage, inwieweit solche Angebote für alle Menschen gleichermaßen verfügbar sind. Kontrovers ist aber auch die Frage, ob und in welchem Umfang Suizidassistenz eine staatliche Aufgabe sein kann. Zum Beispiel im Rahmen des Leistungskatalogs der Krankenversicherungen, während der Zugang zu psychiatrischen, psychotherapeutischen, palliativmedizinischen oder anderen medizinischen beziehungsweise psychosozialen Angeboten oftmals länger dauert und mit größeren Hürden verbunden ist.
Weitere Informationen, finden sich unter anderem bei:
Fachgesellschaften für Palliativmedizin und Ethik in der Medizin bieten Leitlinien und Stellungnahmen:
- Suizidassistenz – Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention e.V. (externer Link)
- Suizid – Verantwortung, Prävention und Freiverantwortlichkeit
- BAEK_Stellungnahme_Suizidhilfe_23112022.pdf (externer Link)
- Eckpunkte für eine Neuregelung der Suizidassistenz – Stellungnahmen und Positionen – Aktuelles – DGPPN (externer Link)
Sowie auf folgenden Webseiten (Auswahl):
- Erklärung wichtiger Begriffe | Netzwerk Palliativmedizin Essen | npe (externer Link)
- https://www.wuerdezentrum.de/beratungsangebote (externer Link)
- Podcast Lebensmüde (externer Link)
- Justitias Wille – Leben in der Waagschale – Podcast (externer Link)
- Assistierter Suizid: Angehörige alleingelassen von Organisationen (externer Link)