Du hast einen Menschen durch Suizid verloren. Nichts ist mehr, wie es war.
Vielleicht fühlt es sich an, als gäbe es ein klares Davor und dieses schwere, oft kaum auszuhaltende Danach – das Leben ohne diese Person.
Wahrscheinlich ist gerade sehr viel in dir los.
Schmerz. Fragen. Vielleicht Schuldgefühle. Vielleicht Wut. Vielleicht noch etwas ganz anderes. Oder Momente von Leere, in denen einfach nichts mehr geht.
All das darf da sein.
Gefühle, die gleichzeitig da sind und sich widersprechen.
Liebe und Wut. Sehnsucht und vielleicht auch Erleichterung. Nähe und Distanz.
Vielleicht gibt es Momente, in denen Dich Erinnerungen überrollen. Oder Zeiten, in denen Du gar nichts fühlst und Dich fragst, ob das „normal“ ist. Gedanken, die sich im Kreis drehen: Warum? Hätte ich etwas anders machen können? Habe ich etwas übersehen? Gleichzeitig die Hilflosigkeit und Überforderung des Umfelds wahrzunehmen. Noch immer sind das Tabu und die Berührungsängste so groß. Vielleicht fühlst du dich mit deiner Trauer allein und isoliert.
Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg durch diese Trauer.
Was in Dir vorgeht, ist zutiefst menschlich und eine Reaktion auf etwas, das kaum zu begreifen ist.
Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben, berichten oft von dem Gefühl: Etwas ist zerbrochen und lässt sich nicht einfach wieder zusammensetzen.
Möglicherweise geht es dir ähnlich.
Unweigerlich verändert sich das eigene Leben. Es geht weiter. Langsam, oft widerwillig, manchmal kaum merklich. Hierbei muss und kann es nicht werden, wie es davor einmal war. Im Danach geht es darum, dass Du einen Weg findest, mit dem Verlust zu leben und dass es möglich wird, Deinem Schmerz Raum zu geben, ohne dass er alles verschlingt. Darum, dass auch wieder andere Gefühle Platz bekommen.
Vielleicht fragst Du Dich, wie das gehen soll. Das musst Du heute nicht wissen. Statt Antworten zu finden, kann es auch erst einmal darum gehen, das Erlebte auszuhalten. Bestenfalls gemeinsam mit anderen, die dich in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Andere können dich begleiten – in Deinem Tempo.
Manche Hinterbliebene finden Halt im Austausch mit anderen, die Ähnliches erlebt haben. Um zu merken: Ich bin nicht allein mit diesen Gedanken. Andere beginnen, vorsichtig neue Routinen zu entwickeln oder kleine Inseln im Alltag zu schaffen. Mir kann das auch gelingen.
Trauer bedeutet nicht, Deinen geliebten Menschen loszulassen.
Viele erleben in ihrem Trauerprozess, dass sich die Beziehung verändert:
von einer äußeren zu einer inneren Verbindung. Erinnerungen, Gedanken, vielleicht auch das Gefühl, dass dieser Mensch auf eine andere Weise noch da ist. Die Person bleibt ein Teil von Dir und Deinem Leben.
Auch wenn es sich im Moment kaum so anfühlt:
Dass Du hier bist, zeigt, dass ein Teil von Dir nach Orientierung sucht. Nach etwas, das Dich durch dieses Danach tragen kann. Vielleicht ganz leise. Vielleicht erstmal nur durch den heutigen Tag. Schritt für Schritt. Aber dieser Teil ist da und er ist wichtig.
Wenn Du magst, schau Dir in Ruhe die Informationen und Anlaufstellen auf dieser Seite an. Vielleicht ist etwas dabei, das sich für Dich stimmig anfühlt.