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Checkliste- Suizid eines:einer Mitarbeiter:in

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Suizids

Ein Suizid erschüttert die Organisation und ihre Mitarbeiter:innen. In der akuten Situation geht es darum, Sicherheit und Orientierung zu schaffen, verlässlich zu informieren und belastete Angestellte zu unterstützen.

1. Akute Situation sichern

  • Behörden und Einsatzkräfte einbeziehen
    Wenn der Suizid am Arbeitsplatz stattgefunden hat: zuständige Behörden informieren und deren Anweisungen beachten.
  • Verantwortung klären
    Eine Person übernimmt die Koordination. Zuständigkeiten für Kommunikation, Angehörigenkontakt, Mitarbeiter:innen und Organisation festlegen.
  • Unterstützung aktivieren
    Frühzeitig interne und externe Unterstützung einbeziehen, z. B. Betriebsärzt:innen, psychosoziale Krisendienste oder betriebliche Unterstützungsangebote.

2. Abgestimmt informieren

  • Zeitnah informieren
    Zuerst die unmittelbar betroffenen Kolleg:innen; eine längere Informationslücke kann Gerüchte und Spekulationen fördern.
  • Nur gesicherte Informationen weitergeben
    Keine Vermutungen über Motive, Hintergründe oder Verantwortlichkeiten.
  • Eine gemeinsame Kommunikationslinie festlegen
    Widersprüchliche Informationen vermeiden.
  • Privatsphäre schützen
    Keine unnötigen persönlichen Informationen oder Details zu den Todesumständen bzw. zur Suizidmethode weitergeben.
  • Sachlich über Suizid sprechen
    Der Begriff „Suizid“ ist wertfrei. Keine Sensationalisierung, Romantisierung oder Schuldzuweisung.
  • Formulierungsvorschlag
    Finden Sie hier

3. Mitarbeiter:innen im Blick behalten

  • Unterschiedliche Reaktionen erwarten
    Schock, Trauer, Wut, Schuldgefühle, Angst, Rückzug, Konzentrationsprobleme oder ein starkes Bedürfnis nach Gesprächen sind möglich.
  • Auch weniger sichtbar belastete Personen beachten
    Besonders belastet können enge Kolleg:innen, Führungskräfte oder bereits psychisch belastete Mitarbeitende sein.
  • Gesprächs- und Unterstützungsangebote machen
    Einzelgespräche, Teamgespräche oder professionelle Krisenintervention anbieten.
  • Nicht zum Gespräch zwingen
    Menschen gehen unterschiedlich mit dem Ereignis um. Manche brauchen Austausch, andere zunächst Ruhe oder Routine.
  • Mögliche Suizidgefährdung weiterer Mitarbeiter:innen
    • Warnsignale ernst nehmen
      Starke Verzweiflung, Rückzug, Überforderung oder Äußerungen zu eigenen Suizidgedanken nicht ignorieren.
    • Professionelle Hilfe einbeziehen
      Eine mögliche Suizidgefährdung nicht allein organisationsintern auffangen.

4. Arbeitsalltag entlasten

  • Was muss heute erledigt werden?
  • Was kann warten oder entfallen?
  • Welche Aufgaben können übernommen werden?
  • Welche Termine können verschoben werden?
  • Wo werden Vertretungen benötigt?
  • Wer sollte aktuell nicht zusätzlich belastet werden?

Grundsatz: Arbeitsanforderungen dürfen in der akuten Situation vorübergehend angepasst werden.

In den folgenden Tagen und Wochen

5. Trauer und Abschied ermöglichen

  • Raum für Gespräche und Fragen schaffen.
  • Bei Bedarf moderierte Team- oder Gruppenangebote organisieren.
  • Gemeinsames Gedenken ermöglichen – freiwillig und unter Wahrung der Privatsphäre.

Wichtig: Trauer verläuft nicht linear. Belastungen können auch später wieder stärker werden, z. B. am Jahrestag, an Geburtstagen oder bei gemeinsamen Veranstaltungen.

7. Nach der akuten Phase

  • Was hat in der Krise gut funktioniert?
  • Wo gab es Informationslücken oder unklare Zuständigkeiten?
  • Wer benötigt weiterhin Unterstützung?
  • Welche Belastungen im Arbeitsumfeld sollten betrachtet werden?
  • Sind Präventions- und Unterstützungsangebote ausreichend bekannt?
  • Welche Abläufe sollten für zukünftige Krisen festgelegt werden?